Silke schreibt den Blog „In lauer Trauer“ und hat die tolle Blogaktion: http://in-lauter-trauer.de/alle-reden-ueber-trauer-2017 ins Leben gerufen. Dafür wollen wir einen unserer Kurzfilme beisteuern: „Wie gebe ich einem Verstorbenen einen Platz im Leben?“ und einen dazugehörigen Artikel mit dem Titel:

Welche Farbe hat Trauer?

Wenn es um Sterben Tod und Trauer geht, erleben wir in unserer Gesellschaft oft noch Sprachlosigkeit. Wir haben oft Angst, das Falsche zu Sterbenden oder Trauernden zu sagen und sind verunsichert. Aber neben der Sprachlosigkeit gibt es auch eine Bildlosigkeit. Wir assoziieren Trauer immer noch mit dunklen Farben, getragener Klaviermusik, verschiedensten Himmelsmotiven (gerne mit Sonnenuntergang) oder Baumalleen, deren Bäume seufzend die gelben Herbstblätter von sich werfen. Und sicher ist sie manchmal auch so, aber eben nicht nur. 
Besonders der Dunkelheit und dem Schweigen wollten wir etwas buntes entgegensetzen. Deshalb haben Jan, Karen und ich die Sarggeschichten gegründet.  Deshalb ist unser Sarg rot. Rot wie “Achtung, das ist wichtig”, rot wie die Liebe und Freude und rot, wie die Farbe, die so gut zu grün passt, meiner Lieblingsfarbe, aber auch Farbe der Hoffnung und der Natur. 
Wir wollen zeigen wie bunt Trauer sein kann. In unserem Film “ Wie gibt man Verstorbene einen Platz im Leben?” erzählen verschiedene Menschen, wie sie ihre Trauer gestalten: Eine Frau zieht die Hosen ihres Mannes an, um sich ihm nah zu fühlen, eine Mutter hat ein Bild ihrer toten Tochter auf ein Kissen kopiert, weil sie es so vermisst, mit ihr zu kuscheln, ein Sohn sagt sich nun selbst Sätze seines verstorbenen Vaters und fühlt sich ihm dadurch nah. 
Du kannst Dich entscheiden, wie Du die Erinnerung an einem verstorbenen Menschen gestalten willst. Erinnerung ist auch eine Art von Beziehung. Sicher, sie hat sich sehr verändert, der Mensch ist physisch nicht mehr da, man kann ihn nicht mehr anfassen und nicht mehr mit ihm reden. Aber alle Erinnerungen sind ja noch da und der Mensch ist immer noch wichtig. 
Jetzt kannst Du Dir überlegen, was Dir wichtig ist für dein Erinnern. Vielleicht brauchst Du ganz viele Bilder und Dinge, die man anfassen kann, oder Du möchtest gern an Orten sein, wo der verstorbene Mensch gerne war. 
Möglicherweise ist es aber auch das Gegenteil und Du möchtest Abstand, brauchst Zeit und Energie für deinen Alltag. Erinnern kann sich verändern. 
Ich habe in meiner Küche lange Zeit viele Photos von verstorbenen Menschen gehabt, die mir nahe waren. Irgendwann war es mir zu viel und ich nahm sie ab. Der Platz, der entstand tat mir gut. Nach einiger Zeit wollte ich dann wieder ein Bild wieder aufhängen. So ist Erinnern immer im Fluss und in Bewegung, wie unser Leben auch. 
Mit unserem Film wollen wir Euch ermutigen, eurer Erinnern so zu gestalten wie es Euch gerade gut tut. Macht es so, wie ihr selber seid oder Euer Verstorbener war. Alles ist erlaubt. Lasst es lebendig und bewegt sein.  
Herzliche Grüße,  Sarah von den Sarggeschichten